Freitag, 12.08.2005
Überzeugungstäter
Ich weiß ja nicht was mit mir los ist. Aber es scheint, als fühle ich mich durch das Schreiben dieses Weblogs dermaßen beobachtet, bzw. in der Pflicht, dass ich plötzlich richtig fleißig werde. Der eigentliche Grund, der mich veranlasst hat mein Rad heute (Donnerstag) Abend bei Wind und Wetter auszuführen, ist jedoch der, dass ich am Nachmittag mit zwei Überzeugungstätern bzw. Motivationskünstlern telefoniert und gemailt habe.

Der eine war Doc Ulatowski. Er hat vor einigen Jahren, bevor er die Schilder an seiner Praxis abschraubte und sich in den Ruhestand verabschiedete, die Spitze der deutschen Schwimmer betreut – und eben auch mich, einen Hobbysportler. Neben seinen orthopädischen Fähigkeiten hat er mir auch in allen anderen Lebenslagen immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden. (Im Nachhinein möchte ich mich bei allen Patienten entschuldigen, die, nur weil ich mal wieder einen Rat brauchte, etwas länger warten mussten).
Motiviert hat er mich heute auf zweierlei Art. Erstens hat er mir einen super netten Brief gemailt . Und zum Zweiten ist er, nach schwerem gesundheitlichen Rückschlag und der darauf folgenden harten Arbeit in der Reha, nun wieder in der Lage, seinen geliebten Golfschläger zu schwingen.
Wie also um alles in der Welt, kann ich mich, mit dem Wissen des harten Reha-Kampfes meines Docs, vor dem Training drücken, nur weil mal nicht die Sonne scheint?
Die zweite Person, welche mich heute motiviert hat, ist in Triathlon-Kreisen, aber seit der Veröffentlichung seines Buches „Vom Junkie zum Ironman“ , auch weit darüber hinaus bekannnt: Andreas Niedrig.
Andreas war früher Heroin-süchtig und mehr als einmal dem Tod näher als dem Leben. Nicht zuletzt mit dem Sport hat er die Kurve gekriegt und wurde einer der besten Langstrecken-Triathleten Deutschlands. Beim Ironman Europe in Roth wurde er dreimal Dritter (1998,1999,2000) und 2001 sogar Zweiter. Auf Hawaii schaffte er im gleichen Jahr den siebten Rang.
In den letzten beiden Jahren jedoch hatte Andreas buchstäblich die Seuche am Hakken. Denn nach einer Fußoperation mit fehlerhaftem Ausgang (das Wort Kunstfehler kommt mir nicht über die Lippen) stand zwischenzeitlich sogar die Amputation seines Fußes zur Debatte. Andreas ließ sich im Folgenden jedoch nicht von den Diagnosen der Ärzte einschüchtern, die ihm prognostizierten, dass er wohl froh sein könne, wenn er in seinem weiteren Leben ohne Krücken auskäme.
Der 37-Jährige kämpfte mit sich und den Schmerzen und begann wieder zu trainieren. Als er das lang ersehnte Ziel, ein Abschiedsrennen in Roth, schon vor Augen hatte, trat er in eine Scherbe, welche eine schwere Blutvergiftung auslöste. Nun ist sein letzter Wettkampf, mit dem er sich so gerne vom Triathlon-Publikum verabschieden würde, wieder in weite Ferne gerückt.
Okay, so viel zur Vorgeschichte. Für mich sehr nachhaltig war das Ende unseres Telefonates. Wir philosophierten ein wenig über Psycho-Strategien, mit denen man die toten Punkte während einer Ironman-Distanz überwinden kann, als er sich von mir mit folgenden Worten verabschiedete: „Mathias, ich werde Dich um jeden Meter, der Dir auf Hawaii weh tut, beneiden!“
Wundert sich noch irgend Jemand darüber, dass ich heute Abend als einziger Radler bei Dreckswetter auf dem Deich unterwegs war?!
Und was ist mit Euch, wenn heute Nachmittag ein paar Regentropfen fallen?!
Herzlichst, mathias

Der eine war Doc Ulatowski. Er hat vor einigen Jahren, bevor er die Schilder an seiner Praxis abschraubte und sich in den Ruhestand verabschiedete, die Spitze der deutschen Schwimmer betreut – und eben auch mich, einen Hobbysportler. Neben seinen orthopädischen Fähigkeiten hat er mir auch in allen anderen Lebenslagen immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden. (Im Nachhinein möchte ich mich bei allen Patienten entschuldigen, die, nur weil ich mal wieder einen Rat brauchte, etwas länger warten mussten).
Motiviert hat er mich heute auf zweierlei Art. Erstens hat er mir einen super netten Brief gemailt . Und zum Zweiten ist er, nach schwerem gesundheitlichen Rückschlag und der darauf folgenden harten Arbeit in der Reha, nun wieder in der Lage, seinen geliebten Golfschläger zu schwingen.
Wie also um alles in der Welt, kann ich mich, mit dem Wissen des harten Reha-Kampfes meines Docs, vor dem Training drücken, nur weil mal nicht die Sonne scheint?
Die zweite Person, welche mich heute motiviert hat, ist in Triathlon-Kreisen, aber seit der Veröffentlichung seines Buches „Vom Junkie zum Ironman“ , auch weit darüber hinaus bekannnt: Andreas Niedrig.
Andreas war früher Heroin-süchtig und mehr als einmal dem Tod näher als dem Leben. Nicht zuletzt mit dem Sport hat er die Kurve gekriegt und wurde einer der besten Langstrecken-Triathleten Deutschlands. Beim Ironman Europe in Roth wurde er dreimal Dritter (1998,1999,2000) und 2001 sogar Zweiter. Auf Hawaii schaffte er im gleichen Jahr den siebten Rang.
In den letzten beiden Jahren jedoch hatte Andreas buchstäblich die Seuche am Hakken. Denn nach einer Fußoperation mit fehlerhaftem Ausgang (das Wort Kunstfehler kommt mir nicht über die Lippen) stand zwischenzeitlich sogar die Amputation seines Fußes zur Debatte. Andreas ließ sich im Folgenden jedoch nicht von den Diagnosen der Ärzte einschüchtern, die ihm prognostizierten, dass er wohl froh sein könne, wenn er in seinem weiteren Leben ohne Krücken auskäme.
Der 37-Jährige kämpfte mit sich und den Schmerzen und begann wieder zu trainieren. Als er das lang ersehnte Ziel, ein Abschiedsrennen in Roth, schon vor Augen hatte, trat er in eine Scherbe, welche eine schwere Blutvergiftung auslöste. Nun ist sein letzter Wettkampf, mit dem er sich so gerne vom Triathlon-Publikum verabschieden würde, wieder in weite Ferne gerückt.
Okay, so viel zur Vorgeschichte. Für mich sehr nachhaltig war das Ende unseres Telefonates. Wir philosophierten ein wenig über Psycho-Strategien, mit denen man die toten Punkte während einer Ironman-Distanz überwinden kann, als er sich von mir mit folgenden Worten verabschiedete: „Mathias, ich werde Dich um jeden Meter, der Dir auf Hawaii weh tut, beneiden!“
Wundert sich noch irgend Jemand darüber, dass ich heute Abend als einziger Radler bei Dreckswetter auf dem Deich unterwegs war?!
Und was ist mit Euch, wenn heute Nachmittag ein paar Regentropfen fallen?!
Herzlichst, mathias
Kommentare und Trackbacks
Roland kommentiert:
Gut, dass ich gestern noch nach H. gefahren bin. Herrliches Naturschauspiel: Aufsteigender Wasserdampf nach dem letzten heftigen Gewitter, dazu von der Abendsonne beleuchtete Wolkenberge. Und kaum Autos unterwegs - die hatten wohl alle Angst vor dem nächsten Wolkenbruch ;-)
Leider war die Straße total dreckig und mein Rad sieht jetzt aus wie die S... . Egal, es hat richtig Spaß gemacht. Und schließlich gabs als Belohnung auch noch Grillwürstchen!
Leider war die Straße total dreckig und mein Rad sieht jetzt aus wie die S... . Egal, es hat richtig Spaß gemacht. Und schließlich gabs als Belohnung auch noch Grillwürstchen!
Roland | 13.08.2005 - 14:38
Tina H. kommentiert:
Du bist unglaublich! Seit ich mit Dir damals in Roth war kann ich nur schwer (zugegeben gar nicht) nachvollziehen, wie man sich so quälen kann.
Ich bin stolz auf Dich und drücke Dir ganz fest die Daumen!
Lieben Gruß, Tina
Ich bin stolz auf Dich und drücke Dir ganz fest die Daumen!
Lieben Gruß, Tina
Tina H. | 15.08.2005 - 09:26
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