Mittwoch, 31.08.2005

Perfekter Sitz

Jeder hat doch das Bild von Jan Ulrich vor Augen, wenn er auf seiner Zeitfahrmaschine sitzt – einfach perfekt, ein Hochgenuss fürs Auge. So eine Erscheinung hatte ich auch gestern Abend – bei mir auf dem Deich. Da kam mir ein Radler entgegen, der war so tief über den Aerolenker gebeugt, dass ich dachte "Wow, das sieht richtig gut aus". Eine Sekunde später hörte ich meinen Namen und ich wusste, dass mein (vorletztes) Stündchen geschlagen hatte.



Deichzeitfahren: Da könnte man flacher sitzen (und schneller fahren)

Sekunden später fuhr er neben mir. Marcus Baranski, ein weiterer Prominenter aus der Gilde des Triathlon-Magazins (Er testet dort die Räder und sitzt immer wenn ich ihn treffe auf einem anderen Vehikel – der Glückliche). Ihn hatte ich vor rund zwei Monaten auf dem Deich kennengelernt. Damals war er mit rund 52 Sachen an mir vorbeigerauscht, und so sehr ich mich auch streckte, ich konnte erst zu ihm auffahren, als er seinen Intervall beendet hatte.
"Willst Du in dem Tempo weiterfahren?", fragte er mich gestern Abend. Und mit einem Blick auf meinen Tacho (da stand gerade 36 Km/h, bei leichtem Gegenwind) nickte ich und war froh, Unterhaltung zu haben.

Keine zwei Minuten später kurbelten wir allerdings schon mit 38/39 Stundenkilometern gen Süden, und als wir kurz vor dem Wendepunkt bei 44 Km/h angekommen waren, versuchte ich mit unkontrollierter Schnappatmung Sauerstoff in meine Lungen zu pumpen, während sein Pulsmesser irgendwas zwischen 145 und 150 anzeigte. Hallo Mathias Müller, Willkommen in der Realität!



So sitzt ein Zeitfahrer: Marcus Baranski auf dem Elb-Deich


Nun, schämen muss man sich nicht, wenn man Probleme hat, mit Marcus zu fahren. Gerade am vergangenen Wochenende war er Siebter bei den Norddeutschen Meisterschaften im Zeitfahren (40 Kilometer) geworden. Von so einem Mann kann man auf jeden Fall lernen. Und als wir wieder langsamer fuhren, und auch mein Hirn nach vermehrter Sauerstoffaufnahme wieder mitarbeiten konnte, gab er mir gute Tipps zur Verbesserung meiner Sitzposition auf meinem Rad.

Wer die Bilder hier vergleicht sieht deutlich, dass ich vorne noch ein ganzes Stück tiefer liegen müsste, um schnittiger durch den (Fahrt-) Wind zu kommen. Mal sehen wie sich das noch regeln lässt. Irgendwo muss ich einen flacheren Spacer (Teil unterhalt der Vorbaus) auftreiben und, was ich schon lange denke, ich muss zwei drei Zentimeter weiter vorne sitzen. Es gibt also noch einiges zu frickeln und zu werkeln, bis ich meinen Flieger nach Hawaii besteige.
Und bis dahin sollte der einzige Sitz, der nicht perfekt zu mir passt, der im Flieger sein.

Herzlichst, mathias

P.S.: Die Runde gestern (bisher einzige Einheit diese Woche):
78 Kilometer (pott-flach), 2:36 Stunden, 30,3er Schnitt

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