Montag, 22.08.2005
(Heimat-)Geschichten über Geschichten
Hückeswagen war – wie sollte es anders sein – mal wieder die 400-Kilometer-Reise von Hamburg aus wert. Ich kann und werde Geschichten über Geschichten erzählen. Im Sprinttriathlon (500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, 5 Kilometer Laufen) habe ich mit einer Zeit von 1:03,35 Stunden den 8. Rang in der Gesamtwertung erreicht – so schnell und so weit vorne platziert war ich seit 14 Jahren nicht mehr. Aber der Reihe nach:

Ich am steilsten Stück der Radstrecke in der Neye-Siedlung
Geschichte 1 – Das Rennen: Ich bin beim Schwimmstart, wie es für mich Angsthasen üblich ist, erst mal ganz nach links außen gegangen. Das hat seine Gründe. Erstens, halt ich mich aus den ganzen Hauereien raus, und zweitens kann ich, der ich nach rechts atme, von der linken Flanke aus das ganze Feld beobachten. Nichts desto trotz, hat mir irgendein Schwimmer permanent hinten auf meinen linken Fuß getippt. Wie sich später herausstellte, war dies mein bester Freund Peter, der, als er es mir nach dem Rennen erzählte, einen riesigen Spaß hatte.
Aber immerhin, Peter hat das Wasser fünf Sekunden nach mir (8:09 Minuten, 26. Rang) verlassen. Im vergangenen Jahr war er noch eine Minute voraus – das hatte also schon mal ganz gut geklappt.
Auf dem Rad lief alles super. Na, ein wenig fehlte der letzte Druck. Der, den ich vor meinen Ironman in Zürich hatte. Das Dumme ist nur, ich weiß nicht wohin sich dieser letzte Punch verflüchtigt hat. Hoffentlich finde ich ihn bald wieder. Aber es ging auch so ganz gut zur Sache. Nach 35:12 Minuten bin ich von meiner schwarzen Karbon-Feile gestiegen (achte Radzeit) und war mittlerweile auf dem 9. Rang.
Auf der Laufstrecke lief’s dann echt wie geschmiert. Für jemanden wie mich, der ich mich ja seit zehn Jahren nur noch auf lange Strecken vorbereite, ist es nicht leicht, ständig mit Puls 180 zu rennen. Ich wollte es jedoch unbedingt probieren. Und es hat geklappt. Meine 20:13 Minuten waren von den gestarteten knapp 300 Sprint-Triathleten die zehnte Laufzeit, was mich in der Gesamtwertung auf den Achten Rang brachte. In meiner Altersklasse, der M35, schaffte ich damit den zweiten Platz. Astrein.

Nach zig Jahren mal wieder auf dem Siegertreppchen. Auch nett.
Geschichte 2 – Von Spaß, Freundschaft und liegen gelassenen Sekunden. Nur zehn Sekunden vor mir war der Sieger in meiner Altersklasse ins Ziel gelaufen. Und obwohl ich mit dem Rennen sehr, sehr, sehr zufrieden war, habe ich natürlich schon mal kurz überlegt, ob das nicht zu schaffen gewesen wäre. Nun, 10 Sekunden sind immerhin gute 50 Meter, und die sind, wenn man ohnehin schon am Limit läuft, nicht so leicht aufzuholen.
Aber in einem Triathlon gibt es immer Situationen, wo man ein paar Sekunden liegen lässt. Oft genug unnötig. Mir fiel sofort ein solcher Moment ein (allerdings war dieser nicht unnötig). Ich lief einige Meter vor meinem Freund Peter durch die Wechselzone auf dem Weg zum Rad, als Freundin Suse mit der Kamera vor mir stand. „Was gibt es schöneres, als ein Wettkampffoto mit seinem besten Freund“, habe ich mir gedacht, und gewartet bis Peter wieder auf meiner Höhe war. Allein diese Sekunden hätten mich dem Sieg in der Altersklasse sehr viel näher gebracht. Nur, dann hätten Peter und ich nicht diesen schönen Moment der Zusammengehörigkeit erlebt, von dem wir nun auch noch ein schönes Erinnerungsfoto haben.

Peter und ich als liebste Konkurrenten
Geschichte 3 – Heimat die Erste. Kurz vor dem Schwimmstart traf ich unseren Vereinsvorsitzenden Jürgen „Jogi“ Dickentmann. Unglaublich herzlich und mit großer Freude gratulierte er mir zu meiner Hawaii-Quali, was mich wiederum unheimlich freute. „Junge“, hat er gesagt, „wir sind hier alle sehr stolz auf Dich.“ – Jogi, keine Ahnung, ob es wirklich Alle sind. Aber das Du es bist, hat mich sehr gefreut und mich darüber hinaus unglaublich motiviert.
Geschichte 4 – Heimat die Zweite. Der ATV Hückeswagen richtet seit 1982 einen Triathlon aus. Kein Wunder, dass die Organisation hier super klappt. Jedes Jahr wird der ganze Verein und viele andere Bürger mehr eingespannt, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren. So weit so gut. Ich kann nur sagen, dass es ein herrliches Gefühl ist, wenn man bei jeder Kreuzung, jeder Gabelung der Strecke und jeder Verpflegungsstelle nicht nur vertraute Gesichter sieht, sondern tatsächlich auch immer die selben Personen an der selben Stelle stehen. Tommy an der Weggabelung oberhalb der Neyetalsperre, Ozu oberhalb von Egen, Horst Lepperhoff in Egen, Udo und Konsorten an der Radverpflegung, die ganze Familie Schäfer für die Laufstrecke, Ulrich Weyer als Strippenzieher und die vielen anderen, die ich hier nicht alle nennen kann – Ihr ahnt nicht, welche Freude es macht, von Euch durch den Wettkampf geführt zu werden.
Geschichte 5 – Heimat die Dritte. Im Ziel mit zwei Brüder auf einem Erinnerungsfoto verewigt zu werden (der vierte Mann im Bunde war an der Radverpflegung) ist einfach eine tolle Sache. Und einen Vater zu haben, der vor lauter Aufregung die Bilder verwackelt, ganz sicher auch. Ich könnte das machen, bis wir alt und grau sind. Jungs, zieht dran.

Die Müllers im Ziel: Jörg "Jogel", mathias, Stefan (von links)
Geschichte 6 – Heimat die Vierte. Über zwei Personsen am Wegesrand habe ich mich sehr gefreut. Zum einen Henning Schlüter, Sportreporter und –chef der Bergischen Morgenpost. Bei ihm habe ich als Student meine ersten Sporen als Schreiberling verdient und von ihm habe ich eine Menge gelernt. Innerlich mag Henning vielleicht ein wenig schmunzeln, wenn ich ihm erzähle, welch große Bedeutung mein Heimatrennen in meinem Saisonkalender hat. Dabei muss er doch wissen, dass er selbst schon mitten drin ist in meiner Heimatgeschichte, hatte ich doch gehofft, dass er sich dort blicken lassen würde. Und wenn er dann sagt, dass er persönlich gekommen ist, (eben keinen seiner Mitarbeiter geschickt hat) weil er wusste, das ich teilnehme, dann ist das ein Grund mehr, warum diese Veranstaltung so schön für mich ist.

Henning Schlüter, der Mann der Bergischen Morgenpost
Die andere Person, welche ich in Hückeswagen wiedergetroffen habe, ist Frank Weyer. Frank war zu Studentenzeiten der beste Triathlet unserer Heimatstadt. Ein Modellathlet sondergleichen. Schnell, ausdauernd und extrem sympathisch. Frank hat mich, als wir beide an der Sporthochschule in Köln studierten, zum Triathlon gebracht. Er hat mich auch gecoacht, so dass ich 1991 den Sprinttriathlon in Hückeswagen zum ersten und einzigen Mal in meinem Leben gewinnen konnte. Heutzutage fährt er jedoch nur noch Inline-Skates. Aber wie! Er ist derjenige, der direkt hinter den Profis durchs Ziel rauscht.
Als ich am Wochenende im Zielbereich zu ihm sagte „Na, zugucken macht doch richtig Spaß, oder?!“, war er nicht ganz meiner Meinung. Und die Art und Weise wie er sich über mein neues Karbon-F10-Rad informierte, lässt vermuten, dass er vielleicht im nächsten Jahr wieder selbst ins Geschehen eingreift. Mensch, das wäre was. Dann können sich die anderen aber warm anziehen. Frank, mach es. Ich bin Dein größter Fan!

Frank Weyer (blaues Trikot) steht wie alle Anderen am Bierwagen
Geschichte 7 – von Topathleten, die hart sein wollen. Heiko Tewes aus Dorsten hat die Hückeswagener Mitteldistanz gewonnen. Ich habe Heiko 1997 zufällig im Trainingslager in Cesenatico (richtig, der Ort aus dem Marco Pantani stammt) kennengelernt, und auf Hawaii haben wir damals ein Appartment geteilt. Der Junge ist in diesem Jahr in Roth 13. (!) geworden. Wie auch immer. Bei unserem zweiten Weizen nach dem Rennen fragte ich ihn, der zwar jünger, aber eben doch viel besser ist als ich, ob er seine langen Läufe mit so einem Gürtel absolviert, an dem diese ganzen kleinen Trinkflaschen hängen. „Nein“, sagt Heiko, das sähe ihm doch zu sehr nach Weichei aus. Ich stimmte ihm zu. Genau wie er, bevorzuge ich es, eine große Radflasche mitzuschleppen. Ganze Kerle halt. Heiko bekam jedoch Minuten später für seinen Sieg eben einen dieser angesprochenen Trinkgürtel geschenkt. Den hat er dann, ohne lange zu überlegen, mir geschenkt. Auf meine Frage, ob ich das Ding evtl weiter verschenken könne, sagte er nur „Aber Du musst es einmal ausprobiert haben.“ Na dann, - hoffentlich sieht mich niemand.

Der Preis für die Mühen: Top-Athlet Heiko Tewes pflegt mit mir unsere lange andauernde Triathlon-Freundschaft
Geschichte 8 – von jungen und alten Wilden. Frank Weiß, als Sieger, und Frank Röttgen, als Zweitplatzierter, bestimmten das Geschehen beim Sprinttriathlon. Die beiden ATVer legten eineinhalb, bzw. zweieinhalb Minuten zwischen sich und den Dritten des Rennens. Frank Röttgen, Altersklasse M25 fegte in unter 18 Minuten über die Laufstrecke und schaffte so den Sprung vom 6. Rang nach dem Radeln auf den zweiten Platz nach Zieldurchlauf. Warum so schnell? Der Junge spielt eine gewichtige Rolle im Weltcup der Sommerbiathleten (Laufen und Schießen).
Der andere Frank, M40, spulte die Radstrecke in 32:55 Minuten ab, was vergleichbar schnell war, wie die Laufzeit des jüngeren Konkurrenten. Warum so schnell? Frank, voll berufstätig, fährt rund 25000 Kilometer pro Jahr auf dem Rad. Noch Fragen? Ja, - wie macht er das??
Geschichte 9 – vom schnellen Wechseln. „Du hast auch schon so etwas“, rief mir unser Vorsitzender hinterher, als ich mich nach dem Schwimmen aufs Rad schwang. Mit „so etwas“ meinte er meine Thomsen-Pedale. Etwas ähnliches hatte er bei der Übertragung des Weltcups in Hamburg gesehen, wo es die Fernsehkommentatoren als Neuheit anpriesen.
Die Thomsen-Pedale sind nichts anderes als Pedale mit Riemen, wie sie früher an Rennrädern montiert wurden, mit der Besonderheit, dass der Fuß, der in einem Laufschuh steckt, nicht nur auf dem kurzen Pedal steht, sondern auf einer harten, fast den ganzen Fuß unterstützenden Platte. So kann man ähnlich viel Druck ausüben, wie man es auch mit harten Radschuhen kann. Allerdings spart man sich einen Schuhwechsel, wenn man das Rad wieder abstellt. Nur, lieber Vorsitzender, die Dinger liegen seit gut zehn Jahren bei mir im Schrank. Und werden nur einmal im Jahr ausgepackt – wenn in Hückeswagen der Triathlon stattfindet.

So sieht es aus. Das Pedal für den schnellen Wechsel
Geschichte 10 – von edlen Spendern und Sportlerernährung. Ich war in diesem Jahr ohne persönlichen Betreuer am Start. Eigentlich kein Problem. Nur wird es im Ziel mitunter etwas kalt, wenn die trockenen Sachen noch weit weg vom Ziel in der Wechselzone liegen, weil sie eben niemand mit in den Zielbereich gebracht hat. Außerdem hatte ich natürlich auch keinen Cent Geld dabei. Wo auch, in der Badehose? Nun, beim Triathlon in Hückeswagen wird einem so armen Zeitgenossen wie mir geholfen. Freund Udo half mir, gleich einem Samariter, mit einem Pullover aus. Danke!
Diverse andere Vereinsmitglieder beglichen meine Bierrechnung. Besonders hervorzuheben sind an dieser Stelle Ali und die Damen und Herren vom Grill. Euch habe ich zu verdanken, dass ich nicht verhungert bin. Trotzdem, so schnell esse ich nicht wieder fünf Currywürste hintereinander.
Das Ende der Geschichte(n) findet sich in langen Gesprächen und einigen Gläsern Bier. Wer sich über alle Ergebnisse, sowohl des Sprint- als auch des Mitteltriathlons, infomieren möchte, kann das auf der Seite des ATV erledigen (www.atv-hueckeswagen.de).
Bleibt mir nur zu sagen, dass ich heute, Montag-Morgen, die frühe Jogging-Einheit gestrichen habe. Die Woche fängt ja gut an.
Herzlichst, mathias

Ich am steilsten Stück der Radstrecke in der Neye-Siedlung
Geschichte 1 – Das Rennen: Ich bin beim Schwimmstart, wie es für mich Angsthasen üblich ist, erst mal ganz nach links außen gegangen. Das hat seine Gründe. Erstens, halt ich mich aus den ganzen Hauereien raus, und zweitens kann ich, der ich nach rechts atme, von der linken Flanke aus das ganze Feld beobachten. Nichts desto trotz, hat mir irgendein Schwimmer permanent hinten auf meinen linken Fuß getippt. Wie sich später herausstellte, war dies mein bester Freund Peter, der, als er es mir nach dem Rennen erzählte, einen riesigen Spaß hatte.
Aber immerhin, Peter hat das Wasser fünf Sekunden nach mir (8:09 Minuten, 26. Rang) verlassen. Im vergangenen Jahr war er noch eine Minute voraus – das hatte also schon mal ganz gut geklappt.
Auf dem Rad lief alles super. Na, ein wenig fehlte der letzte Druck. Der, den ich vor meinen Ironman in Zürich hatte. Das Dumme ist nur, ich weiß nicht wohin sich dieser letzte Punch verflüchtigt hat. Hoffentlich finde ich ihn bald wieder. Aber es ging auch so ganz gut zur Sache. Nach 35:12 Minuten bin ich von meiner schwarzen Karbon-Feile gestiegen (achte Radzeit) und war mittlerweile auf dem 9. Rang.
Auf der Laufstrecke lief’s dann echt wie geschmiert. Für jemanden wie mich, der ich mich ja seit zehn Jahren nur noch auf lange Strecken vorbereite, ist es nicht leicht, ständig mit Puls 180 zu rennen. Ich wollte es jedoch unbedingt probieren. Und es hat geklappt. Meine 20:13 Minuten waren von den gestarteten knapp 300 Sprint-Triathleten die zehnte Laufzeit, was mich in der Gesamtwertung auf den Achten Rang brachte. In meiner Altersklasse, der M35, schaffte ich damit den zweiten Platz. Astrein.

Nach zig Jahren mal wieder auf dem Siegertreppchen. Auch nett.
Geschichte 2 – Von Spaß, Freundschaft und liegen gelassenen Sekunden. Nur zehn Sekunden vor mir war der Sieger in meiner Altersklasse ins Ziel gelaufen. Und obwohl ich mit dem Rennen sehr, sehr, sehr zufrieden war, habe ich natürlich schon mal kurz überlegt, ob das nicht zu schaffen gewesen wäre. Nun, 10 Sekunden sind immerhin gute 50 Meter, und die sind, wenn man ohnehin schon am Limit läuft, nicht so leicht aufzuholen.
Aber in einem Triathlon gibt es immer Situationen, wo man ein paar Sekunden liegen lässt. Oft genug unnötig. Mir fiel sofort ein solcher Moment ein (allerdings war dieser nicht unnötig). Ich lief einige Meter vor meinem Freund Peter durch die Wechselzone auf dem Weg zum Rad, als Freundin Suse mit der Kamera vor mir stand. „Was gibt es schöneres, als ein Wettkampffoto mit seinem besten Freund“, habe ich mir gedacht, und gewartet bis Peter wieder auf meiner Höhe war. Allein diese Sekunden hätten mich dem Sieg in der Altersklasse sehr viel näher gebracht. Nur, dann hätten Peter und ich nicht diesen schönen Moment der Zusammengehörigkeit erlebt, von dem wir nun auch noch ein schönes Erinnerungsfoto haben.

Peter und ich als liebste Konkurrenten
Geschichte 3 – Heimat die Erste. Kurz vor dem Schwimmstart traf ich unseren Vereinsvorsitzenden Jürgen „Jogi“ Dickentmann. Unglaublich herzlich und mit großer Freude gratulierte er mir zu meiner Hawaii-Quali, was mich wiederum unheimlich freute. „Junge“, hat er gesagt, „wir sind hier alle sehr stolz auf Dich.“ – Jogi, keine Ahnung, ob es wirklich Alle sind. Aber das Du es bist, hat mich sehr gefreut und mich darüber hinaus unglaublich motiviert.
Geschichte 4 – Heimat die Zweite. Der ATV Hückeswagen richtet seit 1982 einen Triathlon aus. Kein Wunder, dass die Organisation hier super klappt. Jedes Jahr wird der ganze Verein und viele andere Bürger mehr eingespannt, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren. So weit so gut. Ich kann nur sagen, dass es ein herrliches Gefühl ist, wenn man bei jeder Kreuzung, jeder Gabelung der Strecke und jeder Verpflegungsstelle nicht nur vertraute Gesichter sieht, sondern tatsächlich auch immer die selben Personen an der selben Stelle stehen. Tommy an der Weggabelung oberhalb der Neyetalsperre, Ozu oberhalb von Egen, Horst Lepperhoff in Egen, Udo und Konsorten an der Radverpflegung, die ganze Familie Schäfer für die Laufstrecke, Ulrich Weyer als Strippenzieher und die vielen anderen, die ich hier nicht alle nennen kann – Ihr ahnt nicht, welche Freude es macht, von Euch durch den Wettkampf geführt zu werden.
Geschichte 5 – Heimat die Dritte. Im Ziel mit zwei Brüder auf einem Erinnerungsfoto verewigt zu werden (der vierte Mann im Bunde war an der Radverpflegung) ist einfach eine tolle Sache. Und einen Vater zu haben, der vor lauter Aufregung die Bilder verwackelt, ganz sicher auch. Ich könnte das machen, bis wir alt und grau sind. Jungs, zieht dran.

Die Müllers im Ziel: Jörg "Jogel", mathias, Stefan (von links)
Geschichte 6 – Heimat die Vierte. Über zwei Personsen am Wegesrand habe ich mich sehr gefreut. Zum einen Henning Schlüter, Sportreporter und –chef der Bergischen Morgenpost. Bei ihm habe ich als Student meine ersten Sporen als Schreiberling verdient und von ihm habe ich eine Menge gelernt. Innerlich mag Henning vielleicht ein wenig schmunzeln, wenn ich ihm erzähle, welch große Bedeutung mein Heimatrennen in meinem Saisonkalender hat. Dabei muss er doch wissen, dass er selbst schon mitten drin ist in meiner Heimatgeschichte, hatte ich doch gehofft, dass er sich dort blicken lassen würde. Und wenn er dann sagt, dass er persönlich gekommen ist, (eben keinen seiner Mitarbeiter geschickt hat) weil er wusste, das ich teilnehme, dann ist das ein Grund mehr, warum diese Veranstaltung so schön für mich ist.

Henning Schlüter, der Mann der Bergischen Morgenpost
Die andere Person, welche ich in Hückeswagen wiedergetroffen habe, ist Frank Weyer. Frank war zu Studentenzeiten der beste Triathlet unserer Heimatstadt. Ein Modellathlet sondergleichen. Schnell, ausdauernd und extrem sympathisch. Frank hat mich, als wir beide an der Sporthochschule in Köln studierten, zum Triathlon gebracht. Er hat mich auch gecoacht, so dass ich 1991 den Sprinttriathlon in Hückeswagen zum ersten und einzigen Mal in meinem Leben gewinnen konnte. Heutzutage fährt er jedoch nur noch Inline-Skates. Aber wie! Er ist derjenige, der direkt hinter den Profis durchs Ziel rauscht.
Als ich am Wochenende im Zielbereich zu ihm sagte „Na, zugucken macht doch richtig Spaß, oder?!“, war er nicht ganz meiner Meinung. Und die Art und Weise wie er sich über mein neues Karbon-F10-Rad informierte, lässt vermuten, dass er vielleicht im nächsten Jahr wieder selbst ins Geschehen eingreift. Mensch, das wäre was. Dann können sich die anderen aber warm anziehen. Frank, mach es. Ich bin Dein größter Fan!

Frank Weyer (blaues Trikot) steht wie alle Anderen am Bierwagen
Geschichte 7 – von Topathleten, die hart sein wollen. Heiko Tewes aus Dorsten hat die Hückeswagener Mitteldistanz gewonnen. Ich habe Heiko 1997 zufällig im Trainingslager in Cesenatico (richtig, der Ort aus dem Marco Pantani stammt) kennengelernt, und auf Hawaii haben wir damals ein Appartment geteilt. Der Junge ist in diesem Jahr in Roth 13. (!) geworden. Wie auch immer. Bei unserem zweiten Weizen nach dem Rennen fragte ich ihn, der zwar jünger, aber eben doch viel besser ist als ich, ob er seine langen Läufe mit so einem Gürtel absolviert, an dem diese ganzen kleinen Trinkflaschen hängen. „Nein“, sagt Heiko, das sähe ihm doch zu sehr nach Weichei aus. Ich stimmte ihm zu. Genau wie er, bevorzuge ich es, eine große Radflasche mitzuschleppen. Ganze Kerle halt. Heiko bekam jedoch Minuten später für seinen Sieg eben einen dieser angesprochenen Trinkgürtel geschenkt. Den hat er dann, ohne lange zu überlegen, mir geschenkt. Auf meine Frage, ob ich das Ding evtl weiter verschenken könne, sagte er nur „Aber Du musst es einmal ausprobiert haben.“ Na dann, - hoffentlich sieht mich niemand.

Der Preis für die Mühen: Top-Athlet Heiko Tewes pflegt mit mir unsere lange andauernde Triathlon-Freundschaft
Geschichte 8 – von jungen und alten Wilden. Frank Weiß, als Sieger, und Frank Röttgen, als Zweitplatzierter, bestimmten das Geschehen beim Sprinttriathlon. Die beiden ATVer legten eineinhalb, bzw. zweieinhalb Minuten zwischen sich und den Dritten des Rennens. Frank Röttgen, Altersklasse M25 fegte in unter 18 Minuten über die Laufstrecke und schaffte so den Sprung vom 6. Rang nach dem Radeln auf den zweiten Platz nach Zieldurchlauf. Warum so schnell? Der Junge spielt eine gewichtige Rolle im Weltcup der Sommerbiathleten (Laufen und Schießen).
Der andere Frank, M40, spulte die Radstrecke in 32:55 Minuten ab, was vergleichbar schnell war, wie die Laufzeit des jüngeren Konkurrenten. Warum so schnell? Frank, voll berufstätig, fährt rund 25000 Kilometer pro Jahr auf dem Rad. Noch Fragen? Ja, - wie macht er das??
Geschichte 9 – vom schnellen Wechseln. „Du hast auch schon so etwas“, rief mir unser Vorsitzender hinterher, als ich mich nach dem Schwimmen aufs Rad schwang. Mit „so etwas“ meinte er meine Thomsen-Pedale. Etwas ähnliches hatte er bei der Übertragung des Weltcups in Hamburg gesehen, wo es die Fernsehkommentatoren als Neuheit anpriesen.
Die Thomsen-Pedale sind nichts anderes als Pedale mit Riemen, wie sie früher an Rennrädern montiert wurden, mit der Besonderheit, dass der Fuß, der in einem Laufschuh steckt, nicht nur auf dem kurzen Pedal steht, sondern auf einer harten, fast den ganzen Fuß unterstützenden Platte. So kann man ähnlich viel Druck ausüben, wie man es auch mit harten Radschuhen kann. Allerdings spart man sich einen Schuhwechsel, wenn man das Rad wieder abstellt. Nur, lieber Vorsitzender, die Dinger liegen seit gut zehn Jahren bei mir im Schrank. Und werden nur einmal im Jahr ausgepackt – wenn in Hückeswagen der Triathlon stattfindet.
So sieht es aus. Das Pedal für den schnellen Wechsel
Geschichte 10 – von edlen Spendern und Sportlerernährung. Ich war in diesem Jahr ohne persönlichen Betreuer am Start. Eigentlich kein Problem. Nur wird es im Ziel mitunter etwas kalt, wenn die trockenen Sachen noch weit weg vom Ziel in der Wechselzone liegen, weil sie eben niemand mit in den Zielbereich gebracht hat. Außerdem hatte ich natürlich auch keinen Cent Geld dabei. Wo auch, in der Badehose? Nun, beim Triathlon in Hückeswagen wird einem so armen Zeitgenossen wie mir geholfen. Freund Udo half mir, gleich einem Samariter, mit einem Pullover aus. Danke!
Diverse andere Vereinsmitglieder beglichen meine Bierrechnung. Besonders hervorzuheben sind an dieser Stelle Ali und die Damen und Herren vom Grill. Euch habe ich zu verdanken, dass ich nicht verhungert bin. Trotzdem, so schnell esse ich nicht wieder fünf Currywürste hintereinander.
Das Ende der Geschichte(n) findet sich in langen Gesprächen und einigen Gläsern Bier. Wer sich über alle Ergebnisse, sowohl des Sprint- als auch des Mitteltriathlons, infomieren möchte, kann das auf der Seite des ATV erledigen (www.atv-hueckeswagen.de).
Bleibt mir nur zu sagen, dass ich heute, Montag-Morgen, die frühe Jogging-Einheit gestrichen habe. Die Woche fängt ja gut an.
Herzlichst, mathias
Kommentare und Trackbacks
franky kommentiert:
mit diesem grandiosen Wortwitz hab ich Roland auch in Erinnerung.
Und an Dich Mathes, weißte noch unsere erste Begegnung mit Heiko und Wolli auf der Terrasse. Da mußten wir unsere Meinung über die Beiden schnell revidieren. Einen lieben Gruß an die Beiden.
Und an Dich Mathes, weißte noch unsere erste Begegnung mit Heiko und Wolli auf der Terrasse. Da mußten wir unsere Meinung über die Beiden schnell revidieren. Einen lieben Gruß an die Beiden.
franky | 22.08.2005 - 13:18
Mathias kommentiert:
Hallo Frank. Ich kann mich vor allem daran erinnern, dass Heiko mich schon damals auf dem Weg hoch nach San Marino zugetextet hat. Mein Puls war irgendwo bei 294 und er meinte nur locker: "Mensch Mathes, 135 habe ich. Nicht schlecht, oder?!". Darauf habe ich ihn angeschrien, er solle doch jetzt einfach mal die Klappe halten. Sein Talent war also schon damals klar zu erkennen. Damit meine ich jetzt die Radelei und nicht das Zutexten.
Mathias | 22.08.2005 - 14:51
Heiko Tewes kommentiert:
hi franky, hi mathes,
was für ne meinung habt ihr denn von uns beiden gehabt!?
wat sind dat denn für paar ruhrpottspinner oder meine fresse sind die arrogant, aber das können wir uns ja erlaubern. wer so gut aussieht, ha, ha, ....!
bis denne
heiko
was für ne meinung habt ihr denn von uns beiden gehabt!?
wat sind dat denn für paar ruhrpottspinner oder meine fresse sind die arrogant, aber das können wir uns ja erlaubern. wer so gut aussieht, ha, ha, ....!
bis denne
heiko
Heiko Tewes | 22.08.2005 - 15:08
simone kommentiert:
lieber mathes,
dass du auf deine alten tage so fit bist, gibt mir wahrlich zu denken. verfolge gespannt deine berichte (du weißt ja, vor allem wegen der fotos!!) und habe aus lauter verzweiflung vor einem monat selber das laufen angefangen. dreimal die woche. schaffe trotz qualmerei schon fünf kilometer. tendenz steigend. siehste, du bist ein echtes vorbild. trotz des alters. :-)
schmatzer aus kölle,
simone
dass du auf deine alten tage so fit bist, gibt mir wahrlich zu denken. verfolge gespannt deine berichte (du weißt ja, vor allem wegen der fotos!!) und habe aus lauter verzweiflung vor einem monat selber das laufen angefangen. dreimal die woche. schaffe trotz qualmerei schon fünf kilometer. tendenz steigend. siehste, du bist ein echtes vorbild. trotz des alters. :-)
schmatzer aus kölle,
simone
simone | 22.08.2005 - 15:10
franky kommentiert:
Moin Heiko,
was Mathes und ich uns da auf der Terrasse so gedacht haben berichte ich Dir mal bei nem leckeren Bierchen.
Erzähl mal, haste den Bademeister Job noch? Chemie Studium abgeschlossen? Die Story mit dem 135ziger Puls hab ich auch noch im Gedächtnis. War aber auch nett von Dir manchmal hinten vorbeizuschauen ob noch alle da sind
So long
franky
was Mathes und ich uns da auf der Terrasse so gedacht haben berichte ich Dir mal bei nem leckeren Bierchen.
Erzähl mal, haste den Bademeister Job noch? Chemie Studium abgeschlossen? Die Story mit dem 135ziger Puls hab ich auch noch im Gedächtnis. War aber auch nett von Dir manchmal hinten vorbeizuschauen ob noch alle da sind
So long
franky
franky | 22.08.2005 - 16:50
Kommentar zum Artikel eingeben
Bitte Emailadresse oder Homepage angeben. Kein HTML-Code erlaubt, Weblinks in der Form http://beispiel.de werden automatisch in Links umgewandelt.
