Mittwoch, 10.08.2005

Immer ruhig beim Training

Zwei Wochen lang habe ich nach der Qualifikation in Zürich pausiert. In der vergangenen Woche habe ich dann langsam wieder mein Training aufgenommen. Ich kann jedoch auch heute, fast drei Wochen nach dem Ironman-Switzerland noch eine tiefe Müdigkeit spüren.
Vorsicht ist also geboten. Nur ganz langsam, ganz locker trainieren. Auf dem Deich von Moorfleet Richtung Geesthacht rauschen deshalb momentan die anderen Radfahrer alle an mir vorbei. Ich muss mich richtig zusammenreißen, weil ich doch eigentlich hinter ihnen herjagen möchte.


„Ich muss denen nichts beweisen“, rede ich mir immer wieder ein und versuche mich abzulenken. Aber im Ernst. Wer ein großes Ziel vor Augen hat, sollte sich nicht von den anderen nervös machen lassen. Ein angehender Lang-Triathlet sollte in erster Linie auf sich selbst hören, bzw. in sich hineinhorchen. Wer weiß, was die anderen machen. Haben sie vor 14 Tagen eine sportliche Höchstleistung vollbracht?
Wollen wir doch ehrlich sein, immer wieder überholen uns Jogger, Radfahrer und im Hallenbad auch Schwimmer. Aber immer wenn wir uns an die Verfolgung machen, hören die anderen plötzlich auf, weil sie ohnehin nur ein paar Meter trainieren wollten.
Wirklich, - vorgestern noch passiert. Als ich die Kennedybrücke inmitten Hamburgs locker hinabjoggte, überholte mich ein anderer Läufer in einem Affenzahn. Und während ich noch überlegte, wie lange dieser Kerl dieses Tempo wohl durchhalten könnte, und vor allem während ich überlegte, wie lange ich es mithalten könnte, sprich, ob ich ihn niederringen könnte, - da blieb er am Hotel Atlantik auch schon stehen.
Also die Überlegungen hätte ich mir sparen können – reiner Stress. Total überflüssig!
Wie auch immer. So ganz langsam spüre ich wie der Druck (also die Kraft) wieder in meine Beine zurückkehrt, ebenso wie die Motivation, mich zu messen. Aber sich mit anderen Bewegungsinteressierten zu messen, ist eine Sache, die in einem Wettkampf, ein Rennen gehört - und nicht in jede Trainingseinheit.
Und der nächste Wettkampf ist erst am 20. August in Hückeswagen, meiner Heimatstadt. Dort gibt es einen Mittel- und einen Sprinttriathlon.
Mittel bedeutet 2 Kilometer Schwimmen, 80 Kilometer Rad und 21 Kilometer Laufen.
Sprint bedeutet 500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Rad und 5 Kilometer Laufen.

Für mich als Eisenmann ist es natürlich klar, über welche Strecke ich starten werde – über den kleinen Sprinttriathlon!! Jipiiieee. Das wird ein Spaß. Herrlich. Eine Stunde Wettkampf und dann inmitten von Familie, Freunden und Vereinsmitgliedern (die ich ja als Wahl-Hamburger eine Zeit lang nicht gesehen habe) Bratwurst und Kuchen essen und Weizenbier trinken.
Hückeswagen ist übrigens eine echt wunderschöne Veranstaltung. Super Landschaft, super nette Leute, super Organisation! Das mit der super Organisation kommt nicht von irgend woher. In meiner Heimatstadt wurde der erste Triathlon im Jahr 1982 veranstaltet. Ich bin nicht sicher, ob es in Europa überhaupt eine ältere Veranstaltung gibt (Nizza z.B. ist auch 1982 zum ersten Mal veranstaltet worden).
Wie dem auch sei. Wer Interesse hat, dort mitzumachen: www.atv-hueckeswagen.de
Und, liebe Triathlon-Anfänger, dort kann man auch als echter Jedermann starten. Ein normales Mountainbike und selbst Räder mit Drei-Gang-Schaltung sind dort zugegen. Also los!!

Apropos Training: Wie sah mein Training in den letzten Wochen vor dem Ironman in Zürich aus? Ungefähr so:
Montag: 14 Kilometer locker laufen (abends)
Dienstag: 3000 Meter Schwimmen (vorm Büro)l, 75 Kilometer Rad, davon 30 Kilometer zügig bis schnell (abends)
Mittwoch: Langer ruhiger Lauf: 2:20 Stunden. (Davon habe ich elf Stück absolviert; abends)
Donnerstag: 2500 bis 3000 Meter Schwimmen (vorm Büro) 75 Kilometer Rad, locker (nach dem Büro)
Freitag: 75 Rad, anschließend 20 bis 30 Minuten Joggen
Samstag: Radausfahrt (nach Lust und Laune, gerne 100 Kilometer)
Sonntag: Radausfahrt (nach Lust und Laune, gerne mehr als 100 Kilometer)

Halt stopp! Dies hier wären rund 21 Stunden pro Woche. In der Tat habe ich meine besten bzw. fleißigsten Trainingswochen mit 14 bis 15 Stunden Training notiert.
Dies kommt wie folgt zustande. Oft habe ich den Freitag geschwänzt. Und gerne bin ich auch nur einmal pro Woche geschwommen. Radausfahrten über 100 Kilometer waren eine Seltenheit – schon stimmt die Rechnung.
Wichtig ist meiner Meinung nach aber auch nicht, ständig 20-Stunden-Wochen raus zu hauen, sondern vielmehr über einen langen Zeitraum regelmäßig zu trainieren und sich vor allen Dingen nicht kaputt zu machen.
Die wichtigsten Säulen in meiner Vorbereitung waren sicherlich die elf langen Läufe und die schnellen Radkilometer auf dem Deich, welches nichts anderes als echte Zeitfahren waren.

„Reize setzen“, nennt das mein früherer Vereinskollege Michael Krüger, der mittlerweile das dänische Triathlon-Nationalteam trainiert. Klar, das sind Spitzenathleten. Die fahren zwei mal pro Woche ein 30 bis 40 Kilometer Zeitfahren. Wichtig nur, es folgen darauf wieder erholsame Einheiten.

In diesem Sinne: Immer locker bleiben.

Kommentare und Trackbacks

Wolfgang Piel kommentiert:

Hallo Mathias,

als eifriger Leser von Handelsblatt.com und Triathlet freue ich mich über diesen Artikel.
Die Quali für Hawaii (AK 50) habe ich dieses Jahr zum ersten Mal beim IM Austia in Klagenfurt erreicht, der meine dritte Langdistanz war.

Also Mathias, see you in Kona und bis dahin ein verletzungsfreies Training.

Wolfgang Piel
Wolfgang Piel | 11.08.2005 - 10:45

Kommentar zum Artikel eingeben


Preview:

Trackback URL von "Immer ruhig beim Training"

Adresse per Rechtsklick kopieren und zum trackbacken in Ihrer Blogsoftware verwenden.

Artikel versenden


: