Montag, 05.09.2005

Sauerstoff(-ZeLD)

Nicht vom Testrad gefallen, nicht kollabiert und auch nicht unzufrieden – ich bin wieder aus Köln zurück, habe den Laktatstufentest unbeschadet und sogar gut hinter mich gebracht, und darüber hinaus noch ein sehr schönes Trainingswochenende gehabt. Danke an dieser Stelle an Lars (für Alles!), Doro, Uli und Jogel – nicht zu vergessen Suse, für die Unmengen von Waffeln nach dem Training.
Gut, wie gehabt, (fast) drei Tage Wochenende, drei Geschichten:



Alles was geht in der Folterkammer des Leistungszentrums

Freitag: Nur die Leistung ZeLD

Als ich am Freitag Abend im elften Stock des Institutsgebäudes der Sporthochschule Köln in das Büro von Stephan Nüsser stolperte, war ich ganz schön angeknockt. Die Trainingstage vorher und die lange Fahrt steckten mir in den Knochen. Trotzdem gingen wir unverzüglich zur Sache. Rein in die Klamotten (hier nur eine Hose und Radschuhe), rauf aufs Trainingsrad, Pulsmesser-Gurt um, Atemmaske auf, Ohrläppchen angestochen und los.



Vampir: Stephan will mein Blut (zwecks Laktatbestimmung)

Erst einmal locker flockig mit 100 Watt loskurbeln und durch die Maske noch ein bißchen mit Stephan, Geschäftsführer des Zentrums für Leistungsdiagnostik (www.zeld.de, Tel: 4982-5180), ein Schwätzchen halten. 40 Minuten später sah die Welt ganz anders aus. Puls 177, meine Beine brannten, aus der Atemmaske tropfte Schweiß und kondensierte Atemluft und wenn ich Luft holte hörte es sich an, als betätige im Nebenraum jemand einen veralteten Blasebalg beim Aufpumpen eines Schlauchbootes. "Kämpfen, kämpen!", habe ich mir immer nur gesagt – oder besser gedacht, weil zum Sprechen kein Atemmolekül mehr übrig war. Letztlich kam Stephans Ansage "noch zehn Sekunden, dann brechen wir ab" wie ein Erlösung von irgendwoher an meine Ohren.



Während ich mich abrackere, zieht Stephan Blut aus meinem Ohrläppchen

Das Ende erreichte mich bei 380 Watt. Aber während ich im Frühjahr diese Stufe nach eineinhalb Minuten abbrechen musste, trat ich sie diesmal bis zum Ende. "380 Watt, das ist doch nicht soo viel", wird jetzt vielleicht der eine oder andere denken, der schon einen Leistungstest bei seinem Hausarzt gemacht hat. Und damit hat derjenige nicht ganz Unrecht. Allerdings wird im ZeLD jede Wattstufe über 5 (in Worten: Fünf) Minuten getrampelt, und das erschwert die Sache ungemein!! Kleine Spekulation: Würden die Stufen nur drei Minuten dauern, wäre die 420-Watt-Stufe (gesteigert wird immer in 40-Watt-Schritten) und vielleicht sogar noch die 460er Stufe (wenn auch nicht mehr komplett) für mich möglich gewesen.

Wie auch immer. Ich war platt, und als ich eine Viertelstunde später, frisch geduscht neben Stephan saß und mir die Auswertung ansah, konnte ich mein Handtuch noch immer nicht aus der Hand legen. Aber was soll’s, das Ergebnis zählte (genaues liefere ich noch nach): Sauerstoffaufnahme und Laktatentwicklung bei zunehmender Watt-Lestung – alles deutlich gegenüber dem Frühjahr verbessert. Natürlich war das anzunehmen. Aber es gibt enormes Selbstvertrauen, wenn man es schwarz auf weiß vor Augen sieht. Und auch Stephans Aussage, einen viel größeren Leistungssprung könne man während einer Saison kaum schaffen, macht mich im Kopf nicht schwächer.

Ich kann demnach einen Besuch im ZeLD nur empfehlen. Nicht nur, dass Sportler hier einen Überblick über ihr Leistungsvermögen bekommen. Stephan und sein Team geben auch gleichzeitig Trainingsberatungen, zeigen Interessierten anhand des Test, wie sie ihre Leistung mit welcher Art von Training und vor allem auch mit welchen Trainingsintensitäten, verbessern können.

Samstag: Traum-Trainingstag

Ich habe das Gefühl, dass ich schon das ganze Jahr auf einen solchen Trainingstag gewartet habe: Endlich wunderschönes Wetter – und tolle Trainingspartner. Am Morgen ging es mit Doro los. Sehr schön, mit jemand fahren zu können, der 1. sich super im Kölner Hinterland auskennt, 2. trotz enormen Leistungsvermögens (wahrscheinlich haut sie mich auf dem Ergometer weg, und überall sonst wohl auch) ganz entspannt fährt, und 3. wenn sie die Radbrille von der Nase nimmt auch noch so nett lächeln kann (hey Lars, das geht nicht gegen Dich ;-)). Das war auf jeden Fall eine schöne Einheit von 95 Kilometern, die wir im 26er Schnitt runterspulten (3:41 Stunden).



Lockere Traininsrunde mit Doro (ohne Visier)

Nach einer kurzen Pause von zwei Stunden, bin ich dann mit Lars noch mal aufs Rad gestiegen. Na, und das war auch ein Knaller. Ich hatte ihm vor der Haustüre für einige Minuten mein Canyon-F10 angeboten. Dazu muss ich sagen, dass wir beide bis letzte Saison das gleiche Rad fuhren (Giant-TCR) und auch fast gleiche Körpermaße haben.



Lars hat Spaß – mit meinem Rad

Und was soll ich sagen, der Kerl wollte gar nicht mehr von meiner Feile runter. Er saß auf meinem Gerät wie angeschweißt und machte, dass muss man hier sagen, eine tolle Figur auf dem F10. Na, ich bin dann halt die 50 Kilometer (1:52, 26er Schnitt) auf dem Giant pedaliert – ist ja auch ein tolles Rad. Unter anderem sind wir am Marienfeld vorbeigeradelt, der Wiese, wo letztens Papst Benedikt XVI Messe gehalten hat. Am Ende des Tages hatte ich als fünfeinhalb Stunden auf dem Sattel gesessen. Alles Grundlagenausdauertraining, alles schön entspannt, alles ein riesen Spaß.

Sonntag: Unverhoffte Hilfe - alles Bongen, oder was?!
Während Lars am Sonntag Morgen noch in Träumen dämmerte, bin ich schon einmal eine Stunde durch den Kölner Stadtwald gelaufen. Wer auch immer in den nächsten zwei Wochen die Zeit findet, sollte unbedingt dort eine Runde laufen oder spazieren gehen. Die Kastanienalleen am Decksteiner Weiher leuchten derzeit in den wunderschönsten Farben des Herbstes. Einfach genial und absolut sehenswert.

Drei Stunden später schlug ich bei meinem Bruder Jörg "Jogel" in Wipperfürth (Bergisches Land) auf, wo wir uns mit Ulrich Bongen zum Training verabredet hatten. Uli hat erst vor einigen Jahren, mit 40, angefangen Ausdauersport zu treiben und mittlerweile hat ihn der Triathlonvirus befallen – zumindest in dem Maße wie es ihm sein gleichnamiges Autohaus und Familie erlauben. Wir sind dann eine schöne Runde durchs Bergische geradelt. Wieder ein super Spaß.



Uli (l.) und Jogel (r.) auf dem Weg durch den Oberbergischen Kreis

Und weil Uli durch Triathlon mehr Lebensqualität erzielt hat, weil er sich von Jahr zu Jahr bei den Volkstriathlons in der Region immer wieder um Minuten verbessert, und weil er somit auch meine Leistung einschätzen gelernt hat, wollte er mir den Tag bzw. meine Hawaiireise etwas versüßen und bot mir an, das Startgeld für den Ironman zu übernehmen. Ein Angebot, dass ich gerne annahm, ist Hawaii doch immer auch eine ziemliche Belastung für den Geldbeutel. Die ganze Reise schlägt schließlich mit über Dreitausend Euro zu Buche.

Wo wir schon mal bei dem Thema Ironman waren, haben sich Uli und Jogel dann auch gleich verabredet, im Jahr 2007 einen Ironman (bzw. eine Langstrecke) zu absolvieren. Oje, hoffentlich muss ich da nicht auch wieder mit ran. Eine Trainertätigkeit würde mir reichen. Na, mal sehen.
Ein Berg von Suses Waffeln mit heißen Kirschen und viel Sahne rundete unseren Trainingstag dann perfekt ab. Und eine paar von diesen kostbaren Lembas (in Ahnlehnung an das Brot der Elben in "Herr der Ringe") durfte ich noch für meinen Autobahnritt zurück nach Hamburg mitnehmen. Eigentlich perfekt, aber ein Burger auf halber Strecke in die Hansestadt musste trotzdem noch dran glauben.

So, heute, Montag, und morgen nehme ich mir trainingsfrei. Muss auch mal wieder sein. Denn nicht nur Training, auch Ruhe zählt – sagen die vom ZeLD.

Leute, Danke noch mal für ein tolles Wochenende!

Herzlichst, mathias

Training diese Woche:
Montag: - - -
Dienstag: 78 Rad, 2:36 Stunden
Mittwoch: 25 Laufen, 2:02 Stunden
Donnerstag: 73 Rad, 2:26 Stunden
Freitag: Stufentest: 45 Minuten
Samstag: Gesamt: 143 Rad, 5:30 Stunden,
Sonntag: 11 Lauf, 53 Min + 50 Rad, 1:52 Stunden
===> ca. 16 Stunden

Kommentare und Trackbacks

Jörg Müller kommentiert:

Hallo Mattes!
Bin durch unsere kleine Tour durchs Bergische wieder schön motiviert worden. Habe dann den Montag zu meinem ersten 2h-Lauf genutzt und heute nochmal 1h35´draufgesetzt. Frankfurt-Marathon lässt grüssen und die Zeit bis dahin ist knapp genug. Ich bin seit Monaten wieder fast schmerzfrei, ich glaube der Knoten ist wieder geplatzt. Jetzt schnell ein paar Kohlenhydrate einwerfen und dann ab, Geld verdienen. Alles Gute, Jörg Jogel Müller
Jörg Müller | 06.09.2005 - 11:49

Ulrich Bongen kommentiert:

Hallo Mathias!
Hab gestern nen kleinen Schock gekriegt:´Das mit der Langdistanz in 2007 ( Roth ist wirklich traumhaft) ist schon länger drin gewesen, aber bisher nur unausgesprochen in meinem verschlungenen Gehirnwindungen. Doch jetzt ist`s raus, selbst meine Frau hat den Artikel schon gelesen! Das gute ist ich durfte auch letzte Nacht in unserem gemeinsamen Bett verbringen... Also sollten den großen Worten auch taten folgen, und bis 2007 ist ja noch so lang. Übrigens: auch mir hat`s Spass gemacht mit dem Müller-Express durch die Heimat zu radeln. Alles Gute und bis denne Uli B.
Ulrich Bongen | 06.09.2005 - 12:35

Mathias kommentiert:

Hallo Wipperfürth, Uli und Jogel,
schön, wenn Euch die Ausfahrt motiviert hat. Das ist doch eigentlich mein Ziel. Überzeugen, motivieren. Alles ist machbar, der Wille ist Alles. Denkt an meinen großen Bruder Stefan. Der hat es auch geschafft – vom Wohlstandsjunkie zum Ironman. Und Jogel (na, Du bist ja auch schon aus Eisen, Roth 2004), der hatte verdammt noch mal schlechtere Voraussetzungen als Du – bis auf sein Kämpferherz! Jungs, haut rein.
Viele Grüße, mathias
Mathias | 06.09.2005 - 13:27

Suse Schmidt kommentiert:

Hallo Matti!
Da auch in mir ein sportbegeistertes Herz schlägt, möchte ich dem geneigten Leser deines webloggs schnellmal mitteilen, dass es bei uns nicht nur "Berge" süßer und fettiger -wenn auch leckerer- Waffeln zu verputzen gilt! Ich meine mich zu erinnern, dass du freiwillig die angebotene sau-vitamin-und-kohlehydrathaltige Gnocchi-con-pesto-Hähnchenbrust-Salat-Mahlzeit (wat'n Wort) zugunsten des von dir ja bereits angesprochenenen MCD-Burgers verschmäht hast ;-))). Ich weiß, ich weiß, der lange Weg gen Norden war schuld...
freu mich schon auf deinen nächsten Eintrag - ich lese, schmunzle und lache mit wachsender Begeisterung und Hochachtung vor deinen Trainings-Wochenstunden!!!
Mit vielen lieben Grüße verbleibe ich bis zur nächsten Waffel-Orgie, Suse
Suse Schmidt | 07.09.2005 - 18:35

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