Montag, 10.10.2005

Über den Wolken

Ein schöner Tag! Heute hat uns (und unsere Räder) das Team von Hannes-Hawaii-Tours mit dem Bus nach Hawi gefahren. Hawi wird am Wettkampftag der Wendepunkt auf der Radstrecke sein. Von dort aus sind wir dann die 90 Kilometer zurück nach Kona geradelt. So konnten wir die gesamte Radstrecke kennenlernen, aber nur die halbe fahren. Und, um es vorweg zu nehmen, ich hatte ein gutes Gefühl.



Auf dem Highway von Hawi Richtung Kona

Los ging die ganze Sache heute Morgen um 5.45 Uhr, als unser Wecker klingelte. Viel zu früh! Bei Hannes Stützpunkt am Alii-Drive wurden unsere Räder dann um 6.30 Uhr in die LKWs verladen und ab ging es auf dem Highway Richtung Norden. In Hawi fuhren alle Atleten dann in 8er Gruppen los. Und, wie soll es anders sein, Lars und ich starteten als Letzte, zusammen mit Jasmin und Tanja, zwei Schweizerinnen.

Geschafft haben wir dann auf Anhieb rund 100 Meter. Weiter ging es nicht, weil wir am Straßenrand einen Coffee-Shop entdeckten und erst mal in Ruhe eine Tasse Kona-Kaffee schlürfen mussten. Das dauerte ungefähr eine halbe Stunde, und als wir tatsächlich die Strecke in Angriff nahmen, waren die ersten Athleten wahrscheinlich schon 30 Kilometer entfernt. "Sei's drum", dachten wir und traten gemütlich in die Pedale.

Die ersten 20 Kilometer nach dem Wendepunkt geht es auf der Ironman-Strecke bergab. So richtig kann man dies jedoch nicht ausnutzen, weil es da oben dermaßen von der Seite bläst, dass man in permanenter 30-Grad-Schieflage fährt. Zeitweise ist das richtiggehend gefährlich, und all zu oft muss man die Haltung auf dem Aerolenker aufgeben und das Steuerrohr über den Bremsen kräftig in die Hand nehmen.



Triathlon-Profi Norbert als Trainingspartner

Zu mir gesellte sich dann Norbert Langbrandner. Norbert ist Österreicher und startet als Profi. Beim Ironman-Austria in Klagenfurt war er in unter 8:30 Stunden Zweiter geworden. Er hatte mit seinen tiefen Aerofelgen bei dem Wind allerdings dermaßen zu kämpfen, dass ich mit ihm mithalten konnte. Ich beschloss also die ersten 55 Kilometer einigermaßen zu drücken.



Die vier von der Tanke: Jasmin (l.) und Tanja vorne

Bei der Verpflegungsstation, die das Hannes-Team am Highway bei Kilometer 55 aufgebaut hatte, stand auf meinem Tachometer dann ein 36er Schnitt. Nicht schlecht, aber auch ganz schön anstrengend. Binnen 5 Minuten habe ich mir beim Supporting-Team dann 4 Becher Cola, 2 Bananen und noch zwei Becher Gatorade reingezogen. Das tat aber auch wirklich not. Unterm Strich fühlte ich mich zwischenzeitlich jedoch sehr gut. Nicht gerade, dass ich über den Wolken schwebte, oder besser gesagt auf Wolke 7, aber doch wirklich gut. Die Sitzposition auf dem F10 fühlt sich auch sehr gut an.

Lars kam mit den Mädels einige Minuten später an, und gemeinsam haben wir dann den Rest der Strecke ganz gemütlich hinter uns gebracht. Eine Schrecksekunde gab es noch, als ich in Kona die Palani-Road hinab fuhr. Ich war recht flott unterwegs, als ein PKW der knapp vor mir fuhr mit einem Mal nach rechts auf einen Parkplatz abbog. Binnen Sekunden war ich neben ihm und er drängte mich nach rechts ab. Ich tat einen immens lauten Schrei (und wenn ich "laut" schreibe, meine ich laut) und sah mich schon auf dem Asphalt liegen, respektive unter dem Auto, mein Rad nur noch als Schrott zu bezeichnen. Ich lehnte mich dann instinktiv gegen den Wagen und Gott sei Dank kamen wir in dieser Konstellation zum Stehen. "Are there any flushing lights?!!, schrie ich den Fahrer im Affekt an. Der war selber so perplex und schuldbewusst, dass er nur immer wieder "sorry" stotterte. Nachdem ich zwei Mal tief durchgeatmet hatte, wünschte ich ihm dann einen schönen Tag, ohne eine wüste Schlägerei mit ihm angefangen zu haben. Noch mal gut gegangen. Der Traum vom Ironman kann mitunter schnell vorbei sein.

Den Schreck haben wir dann in Kona erstmal mit einem leckeren Eiskaffee runtergespült und wiederum anschließend haben Lars und ich eineinhalb Stunden lang geschlafen.



Am südlichsten Punkt der USA - sehr schön,sehr wild

Tatsächlich über, auf oder sonstwo in den Wolken waren wir Beiden gestern. Ich hatte mir aufgrund akuter Unlust Trainingsfrei verordnet und wir machten eine große Runde über die Insel. Zuerst steuerten wir den South Point an, den südlichsten Punkt der USA. Anschließend besuchten wir den Volcano-Park, bevor wir in Hilo (das 1949 und 1960 von verheerenden Tsunamis heimgesucht wurde) Pause machten.



Wie in einer Traumwelt, auf dem Mauna Kea

Dann kam das Highlight einer jeglichen Hawaii-Runde. Über die Saddle-Road fuhren wir auf den Mauna Kea. Dieser ist vom Meeresgrund aus gemessen mit über 9000 Meter höher als der Mount Everest. Auch über den Meeresspiegel erhebt er sich noch mit 4209 Metern.



Die Keck-Teleskope über den Wolken

Dort oben bot sich uns ein unwahrscheinlich schöner Sonnenuntergang! Und mit den riesigen Keck-Teleskopen im Blick ist es da oben fast eine unwirklich scheinende Welt. Da wir den Besuch dort oben nicht geplant hatten, waren wir nur mit T-Shirt und Shorts bekleidet. Ich kann den Lesern versichern: Wir haben gefroren wie die Schneider. Wahnsinn! Am Dienstag Abend werden wir (dann mit Thomas, der morgen anreist) noch einmal da hinauf fahren. Dann allerdings mit Pullover und Jeans - und vielleicht auch mit ein paar Büchsen Bier.



Wahnsinnig schönes Licht auf dem Vulkan

So langsam geht es hier in die heiße Phase, und ich frage mich, was an Training noch vernünftig oder unvernünftig ist. Morgen könnte ich die Tour von heute mit dem Rad von Hawi nach Kona noch einmal wiederholen. Ich denke das würde mir (und Lars auch) Spaß machen. Mal sehen. Wir entscheiden nach Lust und Laune. Ich hoffe, das können alle Daheimgebliebenen auch weitestgehend.

Herzlichst, mathias

Kommentare und Trackbacks

Birgit Aumann kommentiert:

Hallo Mathias,

bin gerade aus dem Urlaub zurück und
irgendwie hatte ich in Erinnerung das
Du im Oktober startest - und, hast Du
genügend Sponsoren gefunden ;-)))

Viele Grüße aus Hamburg,
Birgit
Birgit Aumann | 10.10.2005 - 10:25

Peter kommentiert:

Hallo mein Freund !Ihr habt eine richtig gute Hochzeit verpasst, aber es scheint euch ja auch nicht schlecht zu gehn.ich müßte eigentlich auch mal wieder mit dem Training anfangen, habe aber wenig Zeit.So, viel Spaß Peter B
Peter | 10.10.2005 - 21:13

jochen kommentiert:

Hey Tolle Fotos, aber das mit dem bier kann ich für dich von hier aus erledigen. Trinke was Iso oder so vielleicht mal ein leckeres Wasser.
bis bald, macht Spass zu lesen was du so treibst.
gruß jochen
jochen | 10.10.2005 - 23:21

Isolde Langbrandtner kommentiert:

Hallo!
Ich bin die Frau von Norbert Langbrandtner, den du auf dem Rad fotografiert hast. Da ich leider nicht dabei sein kann, ist es schön, ihn sozusagen live zu sehen.
Auch alle anderen Fotos sind spitze!!!
Alles Gute für Samstag, wir sind alle via Internet dabei und drücken die ganze Nacht die Daumen.
Schöne Grüße aus Österreich, Isolde Langbrandtner
Isolde Langbrandtner | 11.10.2005 - 13:34

mathias kommentiert:

Liebe Leute,
wie immer freue ich mich riesig über Resonanz. Liebe Isolde, es tut mir leid, dass ich Euren Namen falsch geschrieben habe. Werde das noch ändern.
Bleibt dran, wir bleiben auch dran!
mathias | 12.10.2005 - 06:42

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