Mittwoch, 28.09.2005

Weg, schnell weg hier

Jetzt wird es in den letzten Tagen vor meiner Abreise nach Hawaii noch richtig bitter. Aus und vorbei ist es mit dem Altweibersommer. Regen aller Orten und Dunkelheit, schneller als man die Lichter anknipsen kann. Ich würde lügen, wenn ich nicht zugeben würde, dass ich mich wirklich sehr freue, am Sonntag der Sonne entgegen zu fliegen. Die Gedanken an Radeln auf dem King-Kamehameha-Highway mit ärmellosem Trikot, kurzer Hose und ohne Socken in den Radschuhen, haben mich gestern Abend beim Radtraining aufrecht gehalten.



Archivfoto – zum Bilder knipsen war es gestern zu dunkel

Nach dem kurzen Weichei-Schlagabtausch gestern mit meinem Bruder Jochen, kam ich natürlich nicht drum herum, mein Rad, trotz des mit Wolken bedeckten Himmel, nach Büroschluss auszuführen. Erstmal musste wieder die lange Hose (statt nur Beinlinge) ran, und am unteren Ende meiner Beine vertraute ich auf meine dick gefütterten Gore-Tex-Winter-Überschuhe. Außerdem hatte ich mir über dem Hinterrad ein Schutzblech montiert – man kann ja nie wissen.

Was soll ich sagen, Erfahrung zahlt sich aus. Nach einer Stunde wußte ich, dass ich mich in allen Details richtig entschieden hatte. Nicht nur, dass es schon um 18.45 Uhr ziemlich duster war und ich die Lichter einschalten musste, nein, es fing auch an zu regnen. "Dunkelheit und Regen - Radlerherz war willst Du mehr", waren meine zynischen Gedanken. Aber irgendwie spornen mich solche – eigentlich ungeliebten Situationen und Bedingungen – gerade an. Wie sagen meine Freunde immer: Ohne Blessuren oder widrige Umstände laufe ich nicht zur Höchstform auf. Ich weise dieses zwar immer weit weg von mir, aber manchmal denke ich, dass sie vielleicht recht haben. Dies soll nun aber bitte nicht heißen, dass ich auf Hawaii (wie es mir 1998 passierte) wieder nach einer Rückenblockade lechze – nein, bitte nicht. Ich möchte bitte einmal ohne Blessuren dort starten. Und fürs Erste reichen mir die Schmerzen am Rippenbogen voll und ganz.

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, dabei, dass ich eben nicht stehen blieb gestern Abend. Mit rund 30 Sachen bin ich durch die Vierlanden gestrampelt, immer darauf bedacht, Schlaglöcher und Kurvenbegrenzungen zu erkennen, und immer mit der schleichenden Angst, dass die Autofahrer mich nicht frühzeitig erkennen und über den Haufen fahren.
Also ein Spaß war das wirklich nicht. Schon gar nicht die letzten Meter, die ich immer in der City absolvieren muss. Immerzu hoffe ich in der Dunkelheit, dass die Stadtväter nicht auf die Idee gekommen sind, auf einem der von mir genutzten Radwege von gestern auf heute einen Poller aufzustellen. Dann nämlich kann es für mich sehr schnell noch sehr viel dunkler werden, als es eh schon ist.

Wie auch immer. Letztlich habe ich 65 Kilometer in 2:19 Stunden abgespult. Mehr geht einfach nicht mehr um diese Jahreszeit nach dem Büro. Das Schwimmtraining heute Morgen, habe ich – ausnahmsweise ;-) – mal dem Ausschlafen geopfert. Ich kann ja nicht immer schwimmen!
Heute Abend steht mein letzter langer Lauf an. Guido "Benne" aus Neuss hat sich angekündigt. Der Junge ist erfahrener Marathonläufer und startet demnächst in New York. Das wird bestimmt ein unterhaltsame Runde. Wenn gleich es auch ziemlich duster werden wird. So ist es halt. Dunkle Zeiten in Deutschland. Bald wird es jedoch wieder heller – zumindest für mich.

Herzlichst, mathias

Kommentare und Trackbacks

Stefan kommentiert:

Hallo kleiner Bruder,
habe deinen Abflugtermin total verpasst und wünsche dir einen "angenehmen" Trainingsurlaub mit Superwettkampf und anschließendem Erholungsurlaub. Bin jetzt nach langer zeit wieder online und werde dich im Net verfolgen. Alles Gute. Stefan
Stefan | 03.10.2005 - 23:12

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