Donnerstag, 22.09.2005

Die Rennschnecke

Gestern Morgen war ich zum dritten Mal in dieser Woche beim Schwimmen, und dementsprechend fühlte ich mich auch – total müde. Leider gibt es in meinem Büro kein Bett. Und selbst wenn es eins gäbe, bin ich mir nicht sicher, ob mein Chef es gutheißen würde, wenn ich es nutzte. So kämpfte ich mich durch den Tag, wurde immer müder und müder. Zu allem Übel stand am Abend der lange Lauf auf dem Programm. Na, das konnte ja was werden.



Kurz vor der Dunkelheit. Bald sind hier Handschuhe und Mütze angesagt

Als ich um 18.40 Uhr an der Alster saß (da war eine Bank, und auf die bin ich nieder gesunken wie ein alter Kartoffelsack), hatte ich so wenig Lust, dass es normalerweise nicht mal für einen Lauf um den Sportplatz gereicht hätte. Total im Eimer, keinen Bock auf nichts, demotiviert bis in die Haarspitzen, so saß ich da. Ehrlich gesagt, mir war nach Ruhetag, nicht nach 26 Kilometer laufen.

Gott sei Dank war ich mit Martin verabredet. "Wie siehst Du denn aus?", waren dann die ersten Worte, die ich von ihm vernahm. Ich bat ihn im Gegenzug erst mal, ganz langsam loslaufen zu dürfen – aber gaaanz langsam. Gesagt getan. Die ersten 30 Minuten schleppte ich mich Richtung Norden, dem Flughafen entgegen, und Martin lief ein ums andere Mail einen halben Meter vor mir.

Und plötzlich, ich wollte auch mal vorne laufen, platzte der Knoten und ab ging die Post. Kaum zu glauben, aber die nächsten 40 Minuten sind wir mit einem Tempo dahin gefegt, dass an der Alster wahrscheinlich für eine mittlere 33er Runde gut gewesen wäre (so genau weiß ich es nicht, ich lauf ja meist nicht so schnell um den See). "Gibt es doch gar nicht", habe ich mir die ganze Zeit gedacht. Erst die totale Schnecke, und jetzt die Rennsau. Gab's aber doch. Sei's drum. Unverhofft kommt oft.

Wir haben den Lauf in 2:05 Stunden abgespult, wobei wir den Wendepunkt, bei gleicher Zeit wie sonst auch, ein paar hundert Meter weiter raus schieben konnten. Unterm Strich also alles super gelaufen.

Für Martin war es der letzte lange Lauf vor meinem Hawaii-Start, weil er sich nächste Woche in den Urlaub verabschiedet. An dieser Stelle möchte ich ihm ganz herzlich danken. Er hat mir in den letzten rund sechs Wochen das (Lange-Lauf-Trainings-)Leben mit seiner Anwesenheit sehr erleichtert, war mir eine große Motivationsstütze. Hinzufügen muss ich, dass ich selten jemanden gesehen habe, der lange Einheiten so schnell adaptiert wie er. Seinen Wunsch von einem 3:50er Marathon im nächsten Jahr kann er meiner Meinung nach locker schaffen. Ehrlich gesagt, wenn er (vorausgesetzt er trainiert so weiter wie in den letzten Wochen) nicht Richtung 3:20 Stunden läuft, wäre ich sehr überrascht. Martin – weiter so!!

Für mich war es gestern der vorletzte lange Lauf. Nach Zürich komme ich somit auf sieben von den langen Dingern. Insgesamt waren es in diesem Jahr 18. Schaffe ich nächste Woche noch einen (und ich zweifel daran nicht), dann sollte ich eigentlich recht gut vorbereitet sein, was das Laufen betrifft.

Heute Abend werde ich die Radeinheit auf dem Deich ausfallen lassen. Mein Freund Michael "Gubi" Gubitz (früher auch Ironman) kommt aus Kiel zu Besuch. Und da uns das Mitschleppen seines Rades als zu aufwendig erschien, werden wir wohl nur ein regeneratives Läufchen an der Alster machen. Und ehrlich gesagt, bin ich da recht froh drüber. So langsam ist mir nämlich nach einer Verschnaufpause. Wobei die sich am Wochenende schon ankündigt, weil ich beruflich zur Interboot-Messe nach Friedrichshafen muss. Ich werde also noch bis Freitag durchhalten.

Apropos durchhalten: Muss ich tatsächlich erwähnen, dass ich heute Morgen geschwommen (2300 Meter) bin?!!

Herzlichst, mathias



Die vierte Schwimmeinheit in dieser Woche – unfassbar

Kommentare und Trackbacks

jochen kommentiert:

Nu sei kein Weichei .Die Schmerzen sind Angst....
Zähne zusammen beissen
jochen | 25.09.2005 - 16:09

Volker Dressel kommentiert:

Hey Jochen, der Mathes hat doch immer kurz vor den Wettkämpfen Auas. Das kennen wir doch schon! Aber ich geh jeder Wette ein: Er hat wirklich Schmerzen und trotzdem wird er diesesmal besser platziert sein, als bei den Vorgängerauftritten auf Hawaii! Wetten? Gruß Volker
Volker Dressel | 29.09.2005 - 11:43

Kommentar zum Artikel eingeben


Preview:

Trackback URL von "Die Rennschnecke"

Adresse per Rechtsklick kopieren und zum trackbacken in Ihrer Blogsoftware verwenden.

Artikel versenden


: